Was zum Schluss geschah

Es tut mir leid, dass ich mir für diesen Bericht so viel Zeit gelassen habe, aber in den letzten Wochen in Sambia ist so viel passiert, dass ich, um ehrlich zu sein, keine Zeit hatte. Auch in meinen ersten Wochen wieder in Deutschland hat mir die Motivation ein wenig gefehlt. Vielleicht auch aus Angst einem Gefühlschaos ausgesetzt zu sein, wenn ich über mein Erlebtes der letzten Wochen, sowie Abschied und Wiedersehen schreibe. Aber es „muss“ sein und es macht mir ja auch Spaß, euch zu erzählen, was bei mir in den letzten Wochen so passiert ist.

Vier Wochen, drei Turniere und das Ein oder Andere Freundschaftsspiel. Es war also nicht entspannt. Alles andere als das. Planen der anstehenden Turniere war unsere Hauptaufgabe. War das eine Turnier über die Bühne gebracht, da stand das Andere schon vor der Tür. War es kein Turnier, dann ein Handballspiel gegen Meikes Team oder ein weiteres Freundschaftsspiel zwischen Tongabzei Trust School und Simoonga Primary und Secondary School. Es war also aller Hand zu tun. Im nachhinein würde ich es anders machen. Keine drei Turniere in den letzten vier Wochen und schon definitiv kein Übernachtungsturnier in der vorletzten Woche. Aber es war ein Erfolg, für die Kinder das Highlight vor den Ferien und für uns ein schönes Erlebnis bevor wir abreisten. Wie es der Zufall so wollte, fand die Fußball-WM zeitgleich statt und wir hatten die Möglichkeit ein Spiel mit den teilnehmenden Kindern im Theater von Livingstone live zuschauen. Nach dem Spiel haben wir gemeinsam gegessen und die Kids ins Bett geschickt. Bis dann entgültig Ruhe war, dauerte es zwei, vielleicht auch drei Stunden. Die Nachtruhe wurde nciht so ernst genommen, wie wir es gerne gehabt hätten und so sind Sophia um 4:45 Uhr rüber in den Schlafsaal und haben um Ruhe gebeten, die dann auch ein traf. Um 7:00 Uhr wollte dann aber keiner aufstehen und gerne noch etwas länger schlafen, aber daraus wurde nichts. Das Frühstück und anschließend die Halbfinals und das Finale sowie die Siegerehrung statt. Damit unser Übernachtungsfußballturnier auch zur Fußball WM passt, haben wir es Mini-World-Cup genannt. Aus den teilnehmenden Schulen wurden gemischte Teams gebildet, Teams = Länder. Teilgenommen hat unter anderem Deutschland, Frankreich oder auch Spanien. Zur Wiedererkennung der einzelnen Teams haben wir Flaggen zur Verfügung gestellt und verschiedene Trikotssätze die farblich zur Mannschaft passten. Da in jedem Team Jungs aus jeder Schule spielten, war es ein Turnier bei dem jede Mannschaft gewinnen kann. Ein Turnier, bei dem es um´s Zusammenspielen geht und bei dem es uns wichtig war, dass sich unsere Schüler auf neue, teilweise fremde Kinder einlassen und mit ihnen zusammen wachsen, damit sie als Team spielen, verlieren und gewinnen. Meiner Meinung ist uns dies sehr gut gelungen. Die Jungs haben samstags, nach dem das letzte Spiel abgepfiffen wurde, bereits gemeinsam gespielt und neue Freundschaften geknüpft. Nach dem Abendessen haben wir die Musik aufgedreht und gemeinsam getanzt. Wild durcheinander oder in einer Reihe zu Macarena. Da Sophia und Meike an ihrer Schule ein Zahnputzprojekt gestarten haben, wollten wir die Chance nutzen und die übrig gebliebenen Zahnbürsten sinnvoll nutzen. Also gabs für jedes Kind eine Zahnbürste und es wurde gemeinsam zum Zahnputzsong Zähne geputzt. Die Jungs hatten ein Strahlen auf den Lippen und freuten sich darauf, am Sonntagmorgen wieder gemeinsam Zähne zu putzen.

Da beim Übernachtungsturnier nur die U12 Jungs waren und sonst auch eher die Turniere sehr Jungslastig waren, haben wir uns überlegt ein Turnier zu machen, das nur für Mädchen ist. Etwas, worauf nur sie sich freuen können und die Jungs zu Hause bleiben und unsere Aufmerksamkeit ganz allein den Mädchen zur Verfügung steht. Wir entschieden uns für einen Trainingstag. Ein Tag an dem wir fünf Sportarten vorstellen und die Schulen jede einzellne durch laufen. Hand-, Fuß-, Net- und Basketball, sowie Rugby stand auf der Tagesordnung. An jeder „Station“ wurde 30 Minuten gespielt. Es entstand eine angenehme Atmosphäre. Der übliche Turnierstress blieb aus, es war ein gemütliches Miteinander. Beim gemeinsamen Mittagessen hatte ich den Eindruck, dass es die Mädels genießen etwas zu haben, was sie sich nicht mit den Jungs teilen „müssen“. Etwas für sie alleine. Ich muss dazu sagen, dass ich von ein paar Jungs gefragt wurde warum es den nur für die Mädchen sei. Ich glaube ein bisschen Eifersucht spielte eine Rolle. Aber genau aus diesem Grund war es uns wichtig diesen Trainingstag für die Mädels zu machen. Dass sie sehen, dass wir sie genauso schätzen wie die Jungs und dass auch sie Dinge machen können die die Jungs in dem Moment nicht haben und in dieser Form vielleicht auch nicht machen werden. Mein Gefühl, dass es ein schöner Tag ohne Stress und vor allem mit viel Freunde und Spaß wird hat sich definitiv bestätigt und auch die Rückmeldung von unserem Sportlehrer und von einzelnen Schülerinnen war positiv. Es hat sich also gelohnt. Gelohnt den Stress vorab auf sich zu nehmen um so einen Tag mit allem drum und dran auf die Beine zu stellen.

Wie bereits am Anfang des Beitrags gesagt, hatten wir drei Turniere in den letzten Wochen. Das letzte Turnier das wir ausgetragen haben, war auch das erste Turnier 2017 das wir ein wenig mit gestaltet haben. Eher spontan und ins kalte Wasser geworfen, als Schiedrischter aber es war der erste Einblick wie ein Turnier ablaufen kann. Es war der SOS-Cup 2017. Organisiert von unseren Vorgängern, an unserem zweiten Tag in Livingstone. Und jetzt ein Jahr später war es unser letztes Turnier das wir organsisiert haben. Der SOS-Cup 2018. Ein komisches Gefühl hatte mich den Tag über begleitet. Es war als ob sich ein Kreis schließt, als ob das Ende jetzt da ist. Und ja, das Ende war auch da. Nach dem SOS-Cup hatten wir noch eine Woche Schule und 1,5 Wochen nach dem Turnier sind wir nach Hause geflogen. Dieses Turnier war ein Abschluss. Ein Abschluss eines wunderbaren Jahres, das ich in vollen Zügen genossen habe und bei dem es mir wirklich schwer fällt abschied zu nehmen. Mein Erlebtess hinter mir zu lassen, meine Eindrücke in mir zu behalten und nach Deutschland zurück zu kommen. Seit diesem Tag war mir bewusst, dass mir der Abschied in den Schulen und schlussendlich auch der Abschied vom Dorf schwer fallen wird. Sehr schwer. Das Kapitel meines Lebens zu schließen und in Deutschland ein neues zu beginnen. Als Tag X dann da war und ich von meiner Projektmanagerin im Dorf abgeholt wurde, wurde ich von Emotionen überfallen. Die Tränen flossen, als ich zum Auto gelaufen bin, begleitet von drei Schüllerinnen und zwei Schülern die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Alle mit Tränen in den Augen, was es nicht leichter gemacht hat. Am Auto angekommen, war es dann soweit, ich musste tschüss sagen. Tschüss sagen auf unbestimmte Zeit. Alle ein letztes Mal umarmt, versporchen, dass ich wieder kommen werde und ihnen noch einmal gesagt, dass ich die Zeit mit ihnen sehr genossen habe. Das letzte Mal aus dem Dorf zu fahren, durch den Nationalpark in die Stadt war komisch. Zu wissen, dass es in zwei Tagen nicht wieder zurück ins Dorf geht, sondern zurück nach Deutschland war auf der einen Seite aufregend, denn ich habe mich auch auf zu Hause und vor allem meine Familie gefreut, auf der anderen Seite habe ich auf dieser Fahrt mit meinem Schlussstrich meines Auslandsjah begonnen. Vollendet wurde dieser als wir zwei Tage später in Livingstone in den Flieger gestiegen sind. Fassungslos, wie schnell es gieng und in Erinnerungen schwelgend, wie es war, als wir, fast auf den Tag genau, ein Jahr zu vor in München in den Flieger gestiegen sind. Die Freude auf zu Hause stieg dann doch fast bis zum Unerträglichen, als ich in Doha in den Flieger gestiegn bin. 6 Stunden Flug trenneten mich von Deutschland. Dort gelandet nur noch die Passkontrolle und die Gepäckausgabe und ich konnte meinen Freund nach einem Jahr wieder in die Arme schließen. Das war eines der schönsten Gefühle die ich erleben durfte und um ehrlich zu sein, beschreiben kann ich es nicht wirklich. Nach 25 stündiger Heimreise stand nun der Abschied von meinen Mitfreiwilligen an. Er war kurz und schmerzlos und die Tatsache, dass sich jeder auf zu Hause freute, machte es uns dann doch nicht so schwer wie zu erst angenommen. Eins wusste ich aber. Dass ich meine zwei Mädels vermissen werde und so schnell wie möglich wieder sehen möchte. Zu Hause angekommen, nach drei stündiger Autofahrt, gab es erstmal das erste Wiedersehen mit der Familie meines Freundes. Zu meiner Familie ging es am nächsten Tag und zwar zum Früchatück, endlich wieder Brötchen und kein Toastbrot mehr! Ich bin bei uns in die Wohnung kommen und war sprachlos. Im gesamten Flur waren Luftballons unter der Decke mit Bildern aus Sambia an einer Schnur. Ich hätte glücklicher nicht sein können. Doch hätte ich und war ich dann auch. Denn meine Mama und ich haben uns einen Plan ausgedacht, wie kann ich meine Familie überraschen? Ganz einfach, meine Mutter hat alle zum Unterschreiben zu uns nach Hause bestellt. Eine Unterschrift von jedem auf meinem Willkommensgeschenk. Dass auch wirklich alle kommen hat sie ein Frühstück vor bereitet. Als es dann das erste Mal geklingelt hat und ich die Tür auf gemacht habe waren meine Großeltern sprachlos. Sprachlos, dass ich doch schon da bin obwohl ich doch erst in zwei Tagen kommen sollte. So erging es jedem, meiner anderen Oma, meiner Tante und zu guter letzt auch meinem Vater. Er war mit am verwirrtesten den ich hatte ihm ja noch geschrieben, dass ich jetzt gleich in den Flieger steigen werde und dann erstmal nicht zu erreichen bin. Ich muss sagen, meine Überraschung ist genauso gelungen wie die Überraschung von meiner Mama an mich. Es wusste keiner, bis auf drei Personen, dass ich bereits am 2.8.2018 zu Hause ankomme und am 3.8.2018 meiner Familie beim Frühstück die Tür öffnen würde. Das zu Hause ankommen war ein perfektes Ende und zu gleich ein perfekter Start eines Kapitels in meinem Leben. Ich hätte mir kein besseres Wiedersehen vor stellen können.


Danke an alle die das Auslandsjahr möglich und einzigartig für mich gemacht haben und ein Dankeschön an meine Mama und meinen Freund, da ihr mir das nach Hause kommen so leicht gemacht habt. Ich habe euch lieb!

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