Noch kanpp 90 Tage…

Es ist krass, wie schnell die Zeit jetzt doch vergeht. Die Vorstellung in 90 Tagen wieder zu Hause zu sein ist irgendwie komisch, aber auch aufregend zu gleich. Die Menschen wieder zu sehen die ich vermisse und auf die ich mich freue, wie ein kleines Kind. Es ist nicht immer leicht von den geliebten Menschen getrennt zu sein. Für mich vor allem. Zu Hause ist mein Freund und ich bin hier, weil ich es wollte. Ich habe mich dafür entschieden ins Ausland zu gehen und er hat es akzeptiert und mich so weit unterstützt, wie er es konnte. Dafür bin ich sehr dankbar und stolz. Stolz auf uns, dass wir es geschafft haben eine Fernbeziehung zu führen, nur Kontakt über´s Telefon haben und uns trotz allem noch so gut verstehen und an uns und die Beziehung glauben. Dass das nicht selbstverständlich ist, ist und war mir bewusst. Dennoch war es mir wichtig für ein Jahr mein zu Hause und auch gewissermaßen ihn zu verlassen. Ich finde, dass man sich in so einer Extremsituation noch einmal neu kennen lernt. Man lernt eine ganz neue Form der Beziehung kennen, eine Form, die vor allem auf Vertrauen beruht. Blindes Vertrauen, denn man kann sich nur auf die Worte des Partners verlassen und daran glauben, dass die Beziehung die Höhen und Tiefen übersteht, die so ein Jahr mit sich bringt. Um so stärker wird die Beziehung aber auch, zumindest ist es bei uns so. Ich habe neue Seiten an mir und auch an ihm kennen gelernt, die mir vorher nie so aufgefallen sind. Ich vermisse Dinge, über die ich mich früher immer aufgeregt habe und ich vermisse vor allem die gemeinsame Zeit mit ihm. Egal was wir auch gemacht haben, seien es irgendwelche Ausflüge oder wenn wir gemeinsam zu Hause waren und jeder seine Sache gemacht hat. Man war zusammen und das war das Wichtigste. Und jetzt? Jetzt macht jeder Seins und man erzählt es sich gegenseitig. Manchmal fühlt es sich so an, als ob man aus dem Alltag des anderen gestrichen wurde und keine Platz mehr darin hat. Aber es ist ja auch irgendwie so. Jeder hat sich seinen eigenen Alltag ohne den anderen aufgebaut, jeder lebt sein eigenes Leben und irgendwie lebt man das Leben doch noch gemeinsam. Der Unterschied ist, dass man sich erzählt, was gerade so passiert und man es eben nicht mehr persönlich mit bekommt. Für eine gewisse Zeit. Es ist schwer keine Frage, aber es ist machbar. Neun Monate haben wir gemeinsam geschafft und ich bin mir sicher, dass die restlichen drei (!!!) Monate wie im Fluge vergehen und wir die auch schaffen werden. Ich freue mich jedenfalls wie eine Irre ihn wieder zu sehen und ihn in den Wahnsinn zutreiben, so wie ich es früher schon gemacht habe. Danke, dass du es mit mir durchziehst, das bedeutet mir sehr viel!

Es ist komisch zu sagen: „Ich bin seit letztem Jahr August hier und werde im August diesen Jahres gehen.“, es war leichter zu sagen: „Ich bin dieses Jahr im August gekommen und werde nächstes Jahr im August gehen.“. Warum das so ist kann ich selbst nicht genau sagen. Wahrscheinlich weil ich mich jetzt eingelebt habe, dass ich weiß wie der Hase hier läuft, weil ich Freunde hier habe und mir die Kinder ans Herz gewachsen sind. Es sind kleine Dinge die es einem erschweren tschüss zusagen. Tschüss zu sagen auf eine unbegrenzte Zeit, denn wer weiß wann ich wieder hier sein werde? Ich glaube es wird deutlich schwerer als letztes Jahr. Damals wusste ich wann ich wieder komme. Dieses mal weiß ich es nicht. Was ich weiß ist, dass ich die Zeit hier vermissen werde, vor allem die Kinder in der Schule und meine Freunde, die in so einer kurzen Zeit ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden sind. Dass ich dazu beitragen konnte, dass die Kinder etwas Neues lernen, dass sie feste Sportstunden im Stundenplan haben, dass sind alles kleine Dinge, die eine große Wirkung haben. Eine Wirkung, die vor allem für die Kinder großartig ist und eine Wirkung die wir jeden Tag auf´s Neue sehen, wenn wir in die Schule kommen und die Kids nur darauf warten mit uns auf den Sportplatz zu gehen. Kleinigkeiten wie die tägliche Nachfrage nach einem Ball, was echt nervig sein kann, oder auch, wann wir denn endlich nachmittags auf den Sportplatz kommen, ich glaube all das werde ich vermissen… .

Bis zum Abflug ist es ja zum Glück noch etwas hin, die restliche Zeit werde ich jetzt einfach noch genießen und mir nicht den Kopf über den Abschied zerbrechen.

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